liebesluft gedanken
liebesluft gedanken

Windverwehungen

Verwegene Gedankensplitter des „Liebesluft“-Librettisten.

 

 

„Tradition ist Schlamperei!“, hat Gustav Mahler gesagt und damit eingemahnt, dass Tradition nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers ist. Was man zu Hören bekommt, bildet einen eminenten Bestandteil jeder Tradition. Die heimischen Blasmusiken gehören zum wertvollsten unserer Volkskultur. Sie stiften uns Oberösterreichern Identität, in dem sie uns unser Land hören lassen und in der Art zum Klingen bringen, wie es schon unsere Vorfahren getan haben. Ihre Klänge sind die „Musique d’ameublement“ unseres Landstriches. In ihren Tönen steckt Heimat.

 

Humor bzw. Lachen erlaubt es ein „Beobachtungsobjekt“ respektvoll „zu verfremden, zu karikieren, zu persiflieren und zu travestieren. Und auch den Mut aufzubringen, sich selbst als ,Beobachtungsobjekt’ ins Fadenkreuz zu nehmen.“, wie es Balduin Sulzer so treffend ausdrückte, der dem Windsingspiel „Liebesluft“ das spontane und herzhafte Prädikat „eine Wucht“ zuteil werden ließ.

 

Absicht dieses Windsingspiels war es einen der wichtigsten Traditionsträger und -überträger - unsere Blasmusiken - ins Fadenkreuz zu nehmen. Mut war insofern nicht erforderlich, da es sich nicht um eine billige Belustigung handelt, sondern die Räume des Humors, der Komödie aufreißt, um zum Eintreten einzuladen. Aus der Distanz der Karikatur wird mitunter reales Vereinsgeschehen in einen Kontext transferiert, der dem Feuer der Tradition eine mögliche Ölspur zum lebendigen Weiterlodern legt. In Art einer Fata Morgana, die es nur in der Imagination geben kann, die aber dazu ermuntern, weiterzuträumen, auf Visionen zu achten und damit den Puls erhöht hält. Nicht umsonst ist der Ausgangspunkt am Mond, wo Luft so rar ist, wie das Meer im Hausruckviertel. Der Narr oder Windgott darf die Wahrheit ungestraft sagen, sorgt aber dafür, dass die Richtungen der Traditionswinde gehörig durcheinander kommen, um letztlich zu einem kraftvollen Orkan zu fusionieren. Mit einem Schmunzeln wird die Kubatur der Komödie zur Blutwäscheanstalt für jedes Marschbuch. Die Vermessenheit dieser Absicht steht der „Liebesluft“ so deutlich ins Gesicht geschrieben, wie Lachenjedem Trompetenton eine Sonnenbrille aufzusetzen weiß. Humor ist eine komische Art ernst zu sein, aber kaum etwas ist von ernsterer Wirkung, wie Erschütterungen des Zwerchfells. - Im übrigen zentraler Ort jeder gestützten Klangentfachung eines ernsthaften und traditionsbewussten Windmusikanten.

 

 

Wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden lässt wie einen Heustadl, der hat nichts besseres verdient, hat der Hieronymus Sepp Windinger schon immer gerne gesagt. (Musikvereinsobmann Giovi im Windsingspiel „Liebesluft“)

nt, juli 2010