| | | klingende festversammlung!
festliche klanggemeinde!
liebe michi gaigg!
nicht aller tage tage halte ich reden,
nicht aller tage gibt es auch solch festliche anlässe und
nicht aller tage rückt einen das abenteuer musik in solcher leibhaftigkeit
an leib und seele, wie es in konzerten oder opernaufführungen mit und um michi gaigg geschehen kann.
leicht könnte ich es mir machen.
ein paar verbalmikroskopische eingriffe in einen bachschen kantatentext -
schließlich hat bach selber den text und die musik der lobpreishuldigungskantate für die polnische königin zum jauchzenden initialchor des weihnachtsoratoriums hochkatapultiert.
dort heißt es ungefähr:
tönet, ihr pauken! erschallet, trompeten!
klingende saiten, erfüllet die luft!
singet itzt lieder, ihr muntre versammlung,
michi gaigg lebe! wird fröhlich geruft.
blast die wohlgegriffnen flöten,
dass feind, lilien, mond erröten,
schallt mit jauchzendem gesang!
dieses fest erfordert freuden,
die so geist als sinnen weiden.
aber!
billig und teuer zugleich, wäre so eine transformation zur laudatio.
„wenn man nicht liebt, kann man auch nicht musik machen!“, sagtest du zuletzt, und dies beschreibt für mich genau jene athmosphäre, in die man eintauchen kann, wenn man sich deinen klangfeldern, deiner künstlerischen wirksamkeit „ausliefert“.
in all deinen menschlichen wie künstlerischen erscheinungsformen und aggregatzuständen umgibt dich eine ungeheure aura zur klangsache, nein viel mehr zur menschensache.
deine hochentwickelte klangsache ist unablässig den menschen und dem menschlichen zugewandt.
auffällig, augen und ohrenscheinlich ist dies in vielerlei hinsicht:
in deiner arbeit als intendantin der donaufestwochen hier im strudengau (seit 2003), als leiterin des international wirksamen l'orfeo barockorchesters (seit 1996), und natürlich auch als lehrerin an der anton bruckneruniversität, wo du junge menschen, zu ihrer ureigenen bühnenwirksamkeit führst.
allerhöchstes niveau und außergewöhnliche qualität sind dir selbstredend selbstverständlich.
- kontinuität, konsequenz, beständigkeit und durchhaltevermögen sowieso.
dass du, wenn du von deinen projekten erzählst, zu aller erst von deinem tollen team sprichst, ob hier im strudengau oder bei lorfeo oder wo auch immer, ist deinem selbstverständnis immanent.
„man muss selbst bewegt sein, um andere zu bewegen“, sagtest du ein ander mal.
gepackt hat dich der musikvirus als junges mädchen die dem nachbarsjungen beim geigespielen zugehört hast. zu packen verstehst du seither offenbar selbst!.
ob im entpuppen der seelengefährdenden dimension von mozarts großer g-moll sinfonie,
ob im singenden begleiten der sänger bei opern, ob als intendantin, lehrerin, geigerin, -
eben als vielfältiger künstlermensch.
deine arbeit hier - und der ort der bühnenkunstpreisverleihung ist mit sicherheit nicht zufällig - heißt nicht nur höchste qualität zu bieten und zu entfachen. es meint ganz klar für dich, mit den menschen hier oder dort wo du eben gerade wirkst, mit der zu beschallenden geografie in resonanz zu gehen.
das jetzt so moderne wort „verortung“, ist bei dir eine klare ansage.
und es heißt auch österreichische ensembles - und dies ist nicht selbstverständlich - in der programmgestaltung nicht unberücksichtigt zu lassen.
aus dem programm ragt die jährliche opernproduktion auf schloss grein, die künftig bewusst in jedem zweiten jahr junge sängerinnen und musikerinnen fördern will.
erlauben sie mir zum schluss doch wieder einen assoziativen griff in die bachsche kantatentextkiste, zu gern bin ich solch ein schaf, auch wenn ich damit niemand das „schafsein“ aufdrängen möchte und schon gar nicht jemanden animalisieren möchte:
schafe können sicher weiden,
wo ein guter hirte wacht.
wo regenten wohl regieren,
kann man ruh und friede spüren
so stimmt mit ein,
heißt es im darauffolgenden rezitativ,
und lasst des tages lust vollkommen sein!
herzlichen glückwunsch zum großen bühnenkunstpreis unseres landes!
© norbert trawöger stadttheater grein 14. april 2008
ZU MICHI GAIGG
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