laudatio zur verlehung des bühnenkunstpreises 2008 an gerhard gruber
laudatio zur verlehung des bühnenkunstpreises 2008 an gerhard gruber
Glück auf, ja, Glück auf!

Künstlerinnen und Künstler arbeiten oft – so sehr sie auch auf die Bretter drängen, die die Welt oder sonst was bedeuten – in den Bergwerken unserer Gesellschaft. Manches erreicht dabei die Helle des Tages, ohne dass seine Beförderinnen und Entdecker je sichtbar werden.

Einer, der selbst wenn er inmitten einer Bühne sitzt, oft nur hörbar ist, ist Gerhard Gruber.

In einer Zeit in der wir vor allem von Bildern geleitet werden
- und so sehr Grubers Arbeit auch von Bildern inspiriert ist,
übersehen wir mitunter überhörend,
jene die im Schatten des theatralen Spotlights agieren.

Alles andere als eine dunkle Gestalt ist Gerhard Gruber,
erhellt er uns doch Filme, Theaterstücke mit seinen Klängen:
Eine klingende Lichtfigur des Stummfilms, ein leuchtender Klangmensch des Theaters,

der wie er sagt, ganz einfach von seinem Klavier aus wie im Prater an Schnüren zieht und mit etwas Glück eine Melodie erwischt.

Glück scheint er unentwegt zu haben:
Ein  Hörbarer
stummen Bildern Klänge ablauschend,

und dabei macht Gruber, wie die große österreichische Autorin und leidenschaftliche Cineastin Ilse Aichinger über ihn sagt, jeden Film erst möglich und ihn zugleich unnötig. Wer seine Hände auf den beleuchteten Tasten sieht, schreibt Aichinger weiter, kann es riskieren, selbst Chaplin zu vergessen, um seiner Erinnerung an ihn aufzuhelfen. Sollte man sich bei Selbstvergessenen fragen, wie viel sie zu vergessen haben? ... Aber wer Gerhard Grubers Klavierspiel hört, ist wieder imstande, seinen Atemzügen zu trauen. (Zitat Ende)


Lieber Gerhard Gruber!

Um deine künstlerische Existenz näher auszuleuchten, dürfen wir nicht mehr nur wieder unseren Atemzügen sondern auch unseren Ohren, unseren Sinnen trauen lernen.

1951 wurdest du als jüngstes von acht Kindern in Aigen im Mühlkreis geboren und schon als Kind hast du deiner Heimatlandschaft mit dem Akkordeon, in hohen Frühlingswiesen sitzend, Klänge abgelauscht. Ungeschaut und zufällig kamst du vor mehr als 20 Jahren zum Stummfilm. Die 75 bis 90 Jahren alten stummen Filme sind neben dem Theater bevorzugte Entdeckungs - und Spielräume deiner Klangexistenz geworden.

Klavierspielend horchst du an Bildern, lässt dich von diesen treiben, schenkst ihnen und damit uns Gefühl und Hörbarkeit. Bist gleichzeitig da, um weg zu sein.

„Musik, die gut ist, nimmt man nicht mehr wahr“, sagst du

Die Wichtigkeit muss zur Unwichtigkeit werden.

Stummfilme waren dir schon in der engen Internatszeit Inseln der Klangseligkeit.
Die Musik lässt dich nicht mehr los. Ein Jazz-Studium führt dich an die Musikhochschule in Graz und doch bildest du dich gründlicher an den Rändern der Autodidaktik aus.

Komponieren ist für dich ein intellektueller Akt.
Improvisation ein Liebesakt.

„Die Bilder auf der Leinwand sind mein Notenblatt und ich lese es jeden Tag neu.“



Dein Weg führte dich über verschiedene Bands, dem Unterrichten, zu ersten Theatermusiken etwa für das heimische Theater Phönix, die Wiener Festwochen, das Theater an der Josefstadt, dem Volkstheater oder im intensiven Verbund mit dem Schauspieler Justus Neumann.

Anfang der 70er Jahre warst du mit Konzerten und Workshops Geburtshelfer des Jazztateliers Ulrichsberg - heute eines der heißesten Klangpflaster unseres Landes - und später Mitbegründer der Jazzabteilung der LMS Neuhofen an der Krems (1978-1987), von wo aus nach wie vor nachhaltige Pionierimpulse auf die OÖ. Jazzszene ausgehen.

2006 bekamst du mit dem Projekttheater Vorarlberg für HC Artmanns „How much, Schatzi?“ den begehrten „Nestroy“. Als gelbschnabeliger Wurlitzer Orgelspieler unter - und übermaltest du dabei genialisch das artmannsche Geschehen am Abgrund, wie ein Mozart der Bordelle.

Heute brichst du von Wels aus, wo du mit deiner Familie lebst, immer wieder in alle Himmelsrichtungen und Erdteile auf. Ob in Australien, Wien, Tokio, Neuseeland, dem Waldviertel, Hamburg oder Padua deine Klangarbeit kennt keine Grenzen und der Ruf nach dieser wird selbstredend nicht leiser.

Eben kommst du aus dem fernen österreichischen Westen zurück, wo du für das Vorarlberger Projekttheater die Musik zu einer Bettleroper geschrieben hast.
Die Vorarlberger Nachrichten subsumieren: „Und dass man kein Orchester und auch kein Kammerensemble braucht, wenn man mit Gerhard Gruber einen Komponisten hat, der den Schauspielern Juchzer und Schluchzer auf die Kehle schreibt und dazu in seiner Percussionskammer alle Töne und Melodien erzeugt, um das wilde Treiben entsprechend zu untermalen oder gar zu tragen, steht zudem gleich einmal fest.“, schreibt Christa Dietrich.



Jetzt vor allem:

„Glück auf!“ und
herzlichen Glückwunsch zum großen Bühnenkunstpreis unseres Landes!



norbert trawöger, 25. märz 2009

 ZU
GERHARD GRUBER